KREATIVES EHEPAAR VERSUCHT VERGEBENS IHRE STEUERLAST ZU MINDERN

Ein zusammenveranlagtes Ehepaar wies im Streitjahr 2010 neben Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit noch Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb einer Photovoltaikanlage auf.

Es wurde ein Verlust für die Photovoltaikanlage i. H. v. 1.795,69 € ermittelt; davon resultierten 1.700,51 € als Aufwand für ein häusliches Arbeitszimmer, das angeblich ca. 8 Stunden im Monat für die Verwaltung der Photovoltaikanlage genutzt wurde.

Das zuständige Finanzamt wies diese Aufwendungen mit der Begründung, dass ein eigenes Arbeitszimmer nicht zum Betrieb einer Photovoltaikanlage dieser Größenordnung notwendig sei, ab. Daraufhin reichte das Ehepaar Einspruch ein, die Begründung: Es handle sich um ein abgeschlossenes Zimmer mit entsprechender Ausstattung und es werde ausschließlich zur Verwaltung der Anlage verwendet; der Einspruch wurde als unbegründet zurückgewiesen. 

Generell gilt: Gemischt genutzte Räume, die in den Wohnbereich des Steuerpflichtigen eingebunden sind und die der Einkünfteerzielung sowie einer mehr als nur untergeordneten privaten Nutzung dienen, sind in Gänze gemäß § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6 Buchst. B EStG nicht abzugsfähig. Da in diesem konkreten Fall die betriebliche Nutzung insgesamt sehr gering ist, ist bereits eine noch so gering erscheinende Privatnutzung des Arbeitszimmers schädlich für den Betriebsausgabenabzug.

Das Gericht schenkt einem monatlichen Arbeitsaufkommen von acht Stunden keinen Glauben; aufgrund des Erfahrungsberichts eines unabhängigen Senatsmitglieds reicht für die Kontrolle der Abrechnung des Energieversorgers, etwaiger Korrespondenz bezüglich Korrekturen sowie die Bearbeitung der Umsatzsteuerdeklaration ein jährlicher Arbeitsaufwand von zwei Stunden aus. 

Bei einer Besichtigung des Arbeitszimmers im Jahre 2014 fiel dem Beamten auf, dass das Zimmer für die vorangekündigte Besichtigung offensichtlich präpariert wurde. Es befand sich ein leerstehender Spiegelschrank sowie ein Regal, in dem lediglich nur zwei Ordner aufbewahrt wurden, in dem Arbeitszimmer. Ein Ordner wurde für die Photovoltaikunterlagen verwendet, in dem anderen befanden sich alle relevanten Unterlagen zur Umsatzsteuer. Es ist ungewöhnlich, dass Steuerunterlagen je nach Steuerart in unterschiedlichen Räumen aufbewahrt werden, vor allem, sofern es sich ausschließlich um Nebeneinkünfte handelt. Dem Ehepaar war wohl bekannt, dass die Aufbewahrung der privaten Einkommensteuerbelege eine ausschließlich betriebliche Nutzung ausschließt. Des Weiteren ist es sehr abwegig, dass sich auf dem Computer ausschließlich Dateien der Photovoltaikanlage befanden bzw. keine Nutzung des Internets mit dem Computer erfolgte; eine Überprüfung im Jahre 2014 war jedoch nicht mehr möglich.

Fast wäre es dem Ehepaar gelungen, das Arbeitszimmer als Betriebsausgabe geltend zu machen; der Clou ist jedoch der leerstehende Spiegelschrank. Das Arbeitszimmer wird somit zur Unterbringung eines nicht betrieblich benötigten Möbelstücks verwendet und es liegt aufgrund des generell äußerst geringen betrieblichen Bedarfs des Zimmers eine nicht unerhebliche Schädigung in Form der Privatnutzung vor. 

Das Gericht schlussfolgerte, dass die Ausstattung im Jahre 2014 der Ausstattung im Streitjahr 2010 entsprach; da das Ehepaar nicht beweisen konnte, dass im Jahre 2010 keine schädliche Nutzung stattfand, wurde der Betriebsausgabenabzug versagt.